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LokalesWuppertalKultur
31. Oktober 2008 - 11:24 Uhr
Umzug: „Die Musikhochschule kann eine kulturelle Perle werden“
Der Dekan der Musikhochschule im Interview.
 
 



Dekan Dieter Kreidler wird am Samstag 65 Jahre alt und verabschiedet sich zum Ende des Wintersemesters in den Ruhestand. Grund genug, um Bilanz zu ziehen. Der Umzug der Musikhochschule in die neuen Räume in Barmen ist für Kreidler ganz klar eines: "ein Quantensprung."

Herr Kreidler, als Dekan der Wuppertaler Musikhochschule kennen Sie alle möglichen Melodien. Mit welchem Klingelton begrüßt Sie denn Ihr Handy?
Dieter Kreidler: Mit gar keinem. Es ist stumm geschaltet.

Dieter Kreidler ist Dekan und Professor für Gitarre. In „seiner“ Hochschule werden derzeit 250 Studenten auf den Konzertalltag oder das Leben als Musikpädagogen vorbereitet.
Der Remscheider ist auf vielen musikalischen Feldern aktiv – beispielsweise in Leitungsgremien des Deutschen Musikrates („Jugend musiziert“ und Deutscher Orchesterwettbewerb). Außerdem ist er Gastdozent an den Musikakademien in Trossingen, Heek und Remscheid – und Juror und Initiator verschiedener Musikfestivals. Für sein Engagement im Laienmusikbereich erhielt er 1994 das Bundesverdienstkreuz.
250 Studenten sind umgezogen – mit Pauken und Trompeten. 36 Jahre lang war die Hochschule an der Friedrich-Ebert-Straße zu Hause. Nun spielt die Musik in Barmen: An der Sedanstraße bringen Dozenten ihren Studenten (nicht nur) die Flötentöne bei.
2,2 Millionen Euro hat das Land investiert, damit das ehemalige Gerichtsgebäude akustisch und räumlich hochschultauglich wird. Das Jugendstilhaus stand einst im Dienst des Landesjustizvollzugsamts.

Das überrascht, ehrlich gesagt.
Ist aber zu erklären: Ich bin den ganzen Tag von Musik umgeben. Das ist wunderschön. Aber genau deshalb bin ich auch froh, wenn zumindest das Telefon ruhig ist.

Sie sind Musiker und gleichzeitig Manager. War das schon immer Ihr Traumberuf?
Keiner, der Musik studiert, denkt daran, Dekan zu werden. Jeder ist zunächst einmal Künstler – aus Leidenschaft. Irgendwann merkt man aber, dass das Weiterkommen des eigenen Hauses nur durch Mitarbeit in einem Gremium möglich ist. Und dann muss man sich fragen: Wo steht man? Bleibt man in der zweiten Reihe? Oder wagt man etwas und sieht die Chance, einiges bewegen zu können? Natürlich geht das nicht alleine, sondern nur im Team.


Konnten Sie denn alle Chancen nutzen? Oder hätten Sie im Rückblick etwas anders gemacht?
Das ist eine gute Frage. Man muss spüren lernen, wo die Gestaltungsfreiräume im Amt sind. Wenn man sie erkennt, sieht man, dass sie doch relativ groß sind. Der Umzug an die Sedanstraße ist ein Glücksfall – ein Quantensprung. Das war sicherlich die beste Entscheidung. Es war fünf vor zwölf.

Inwiefern?
Wir hatten die Villa und das Gebäude-Ensemble an der Friedrich-Ebert-Straße lieb gewonnen, es hatte alles einen eigenen Charme. Aber mit Blick auf die bauliche Substanz war es wichtig, jetzt die Weichen zu stellen. Auch durch die veränderten Studienbedingungen, die Umstellung auf Bachelor und Master und die Tatsache, dass unsere Musiker inzwischen Studienbeiträge zahlen, musste eine zukunftsfähige Konzeption her – und ein auch nach außen hin vorzeigbares Gebäude. Nach all den Jahren waren die Defizite doch spürbar. Es gab keine klare Trennung zwischen Seminar- und Überäumen. Die haben wir jetzt.

Genauso wie eine poppig bunte Mensa und einen neuen Konzertsaal, der dem Gebäude oben aufgesetzt wird.
Ja, der Saal wird unser neues Schmuckstück. Wir haben endlich ein Haus bezogen,  das unserem Profil entspricht und Strahlkraft über die Region hinaus entwickeln kann. Wir können jetzt angemessen wachsen.

Dann ist die Musikhochschule also auf Expansionskurs?
So scharf würde ich das nicht formulieren. Es geht nicht darum, um jeden Preis wachsen zu wollen. Aber natürlich denke ich, dass die Hochschule jetzt für internationale Studenten viel attraktiver ist. Wir haben ein repräsentatives Gebäude und die Hoffnung, dass wir das, was wir leisten, auch nach außen noch deutlicher machen können. Wir haben nun vernünftige Seminarräume und Platz, um auch Tagungen zu veranstalten. Das sind wichtige Bausteine für die Zukunft.

Formulieren wir es also anders: Die Musikhochschule kann in ihrem neuen Zuhause ihr Profil besser schärfen?
 Ja, genau. Wir können hier noch besser ausbilden und unsere Stärken weiter ausbauen. Die Musikhochschule ist ein regionales kulturelles Zentrum – und kann eine wirkliche kulturelle Perle werden.

Die vermutlich brisanteste Phase Ihrer Amtszeit war die drohende Anbindung an die Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule. Wie bewerten Sie die Diskussion im Nachhinein?
Die Evaluierung 2001 war in der Tat eine sehr entscheidende Zeit. Eine Expertenkommission und das Ministerium hatten erklärt, dass die Musikabteilungen in NRW kein eigenes Profil entwickelt hätten und alle alles wollten. Ein Baustein der damaligen Ordnungspolitik war es, Wuppertal mit Düsseldorf verschmelzen zu lassen. Das stand jedoch völlig gegen unsere Interessen. Wir haben immer gut mit unserem Kölner Mutterhaus zusammengearbeitet. Es gab überhaupt keine substanziellen Gründe, uns abzusprengen – außer der Möglichkeit, Stellen abzubauen und nach Düsseldorf zu verlagern. Wir haben uns gewehrt und klar gemacht: Wir sind kein Steinbruch. Wir sind aus dem Prozess gestärkt hervorgegangen und jetzt ein Kompetenzzentrum für Musikpädagogik.

Da war es sicherlich höchste Zeit, dass es in der neuen Mensa jetzt auch Internet-Plätze  gibt. . .
 . . . ja, sehr sogar. Wir können jetzt endlich auch die neuen Medien nutzen – das ist für angehende Musikpädagogen mehr als wichtig. Wir dürfen und wollen uns auch nicht in den Elfenbeinturm zurückziehen, sondern suchen den regen Austausch – mit Kooperationspartnern wie der Stadthalle, der Immanuelskirche, der Bergischen Universität, mit Kulturvereinen und der Privatwirtschaft. Wir wollen ganz klar signalisieren: Zapft die Hochschule an!
Veranstaltungen sollen aber sicherlich nicht nur bei den Kooperationspartnern, sondern vor allem auch im eigenen Haus über die Bühne gehen. Kommen Studenten eigentlich vor Gericht, wenn sie dabei mal einen Ton nicht treffen?
Kreidler: Sie spielen bestimmt auf den Kammermusiksaal an. Nein, da muss keiner Angst haben  . . . Aber es ist schon etwas Besonderes: Der neue Kammermusiksaal war früher ein Gerichtssaal. Die Atmosphäre ist einmalig – genauso wie im übrigen, denkmalgeschützten Haus. Ich könnte mir deshalb auch vorstellen, dass wir im Flur Konzerte veranstalten. Das Jugendstil-Gebäude eignet sich ideal dafür.

Das klingt so, als seien Sie mit den elf Jahren, in denen Sie jetzt schon Dekan sind, insgesamt zufrieden.
Ja, das Management der Musikhochschule hat mir immer viel Spaß gemacht. Die Leitungsfunktion hat mich sehr befriedigt. Mit der Entscheidung, das Amt zu übernehmen, war mir allerdings klar, dass ich meine persönliche Karriere zurückstellen muss.

Sie werden morgen 65 und verabschieden sich im März 2009 – zum Ende des Wintersemesters – in den Ruhestand.
Es wird wohl ein Unruhestand werden. Ich werde dem Förderverein der Musikhochschule auch künftig zur Verfügung stehen und mich weiter als Beiratsvorsitzender für den Deutschen Orchesterwettbewerb und den Bund Deutscher Zupfmusiker engagieren und auch als Herausgeber und Komponist für Gitarre und Zupforchester schreiben. Ich arbeite gerade an einer neuen Gitarrenschule in drei Bänden, die 2009 erscheint.
Herr Kreidler, vielen Dank für das Gespräch.

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